Veranstaltungsbericht:Between Policy and Lived Experience: Migrant and Refugee Women’s Perspectives on the EU Migration Pact

*English below

Einleitung

Am 27. Mai 2026 beteiligte sich moveGLOBAL e.V. am Symposium „Between Policy and Lived Experience: Migrant and Refugee Women’s Perspectives on the EU Migration Pact“, das von unserer Partnerorganisation New Women Connectors in Utrecht (Niederlande) im Rahmen des W-STAR-Projekts veranstaltet wurde.

Kurz vor dem Weltflüchtlingstag und zeitgleich mit dem Inkrafttreten des EU-Migrationspakts brachte die Veranstaltung Migrantinnen und geflüchtete Frauen, zivilgesellschaftliche Organisationen, Aktivist*innen sowie Forschende u.s.w. zusammen, um die geschlechtsspezifischen Auswirkungen europäischer Migrationspolitik zu diskutieren und Strategien für Advocacy und gemeinsames Handeln zu entwickeln.

 

Warum der EU-Migrationspakt relevant ist

Der EU-Migrationspakt zielt darauf ab, einen gemeinsamen Rahmen für das Management von Migration und Asyl in der Europäischen Union zu schaffen. Während EU-Institutionen den Pakt als Lösung zur besseren Koordination und Verantwortungsteilung zwischen den Mitgliedstaaten darstellen, äußern zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Rechte von Menschen auf der Flucht.

Besonders die Erfahrungen von Migrantinnen und geflüchteten Frauen stehen im Fokus der Kritik. Es wird argumentiert, dass der Pakt stark auf Grenzschutz und Sicherheit ausgerichtet ist, während geschlechtsspezifische Vulnerabilitäten, Schutzbedarfe, Teilhabe und Inklusion unzureichend berücksichtigt werden. Dies wirft wichtige Fragen darüber auf, wie sich Migrationspolitik auf die Sicherheit von Frauen, ihren Zugang zu Rechten sowie ihre Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe auswirkt.

Vor dem Hintergrund zunehmender migrationsfeindlicher Rhetorik und eines wachsenden rechtspopulistischen Einflusses in Europa bot die Tagung einen wichtigen Raum für Reflexion und Austausch.

 

✍️Geschlechterdimensionen des Pakts verstehen

Der erste Workshop, geleitet von Sandra Alloush, widmete sich den geschlechtsspezifischen Dimensionen des EU-Migrationspakts anhand eines interaktiven, szenariobasierten Gruppenformats. Den Teilnehmenden wurden verschiedene fiktive Profile von Migrantinnen und geflüchteten Frauen vorgestellt, anhand derer diskutiert wurde, wie sich die Regelungen des Pakts auf die jeweilige Lebenssituation sowie den Zugang zu Rechten und Schutz auswirken könnten.

Auf Grundlage dieser Szenarien analysierten die Teilnehmenden zentrale Elemente des politischen Rahmens und reflektierten darüber, wie die Umsetzung des Pakts je nach individueller Lebenssituation unterschiedliche Konsequenzen haben kann. Der Workshop regte dazu an, den Pakt aus einer intersektionalen Perspektive kritisch zu betrachten und zu berücksichtigen, wie Faktoren wie Geschlecht, Aufenthaltsstatus, ethnische Zugehörigkeit, Alter, familiäre Situation und andere soziale Kategorien Erfahrungen mit Migrations- und Asylpolitik prägen.

 

🗣️Narrative zurückgewinnen und Widerstand stärken

Der zweite Workshop, geleitet von Kourara Saliba (New Women Connectors) und Alejandro Navarrete Cortés (BAK), beschäftigte sich mit Storytelling, Narrative Change und Strategien des Widerstands.

Die Teilnehmenden reflektierten darüber, wie Migration in öffentlichen und politischen Diskursen dargestellt wird, und setzten diese Narrative in Beziehung zu den realen Lebensbedingungen von Migrantinnen und geflüchteten Menschen. Der Workshop vermittelte praktische Methoden, um persönliche Erfahrungen in klare und wirkungsvolle Botschaften für Advocacy und sozialen Wandel zu übersetzen. Zudem wurde reflektiert, wie eigene Geschichten und Perspektiven zur Gestaltung öffentlicher Debatten über Migration beitragen können.

Aufbauend auf diesen Diskussionen arbeiteten die Teilnehmenden in Gruppen und erstellten Collage-Poster, die ihre zentralen Botschaften und Veränderungsvisionen visuell darstellten. Durch diese kreative Methode wurden Wege erarbeitet, um diskriminierende und ausgrenzende Narrative zu hinterfragen und ihnen entgegenzuwirken sowie die Stimmen und Erfahrungen betroffener Communities sichtbarer zu machen.

Ein zentrales Ergebnis des Workshops war die Erkenntnis, dass Migrantinnen und geflüchtete Frauen nicht lediglich Gegenstand politischer Debatten sind, sondern aktive Akteurinnen des Wandels. Durch das Teilen ihrer Erfahrungen und die Stärkung ihrer Stimmen können sie dominante politische Narrative herausfordern und zu inklusiveren und rechtebasierten Debatten über Migration beitragen.

 

🔑 Zentrale Erkenntnisse

Aus der Tagung ergaben sich mehrere wichtige Erkenntnisse:

  • Migrationspolitik ist nicht geschlechtsneutral und kann spezifische Auswirkungen auf Migrantinnen und geflüchtete Frauen haben.

  • Die sinnvolle Beteiligung betroffener Communities ist entscheidend für die Entwicklung und Umsetzung von Migrationspolitik.

  • Storytelling und Narrative Change sind wirksame Instrumente zur Bekämpfung von Stereotypen und zur Förderung inklusiver öffentlicher Diskurse.

  • Die Zusammenarbeit zwischen basisnahen Organisationen, migrantisch geführten Initiativen und zivilgesellschaftlichen Akteuren ist zentral für eine rechtebasierte Migrationspolitik.

 

👀Einordnung für unsere Arbeit

Die Tagung verdeutlichte die Bedeutung, gelebte Erfahrungen in Diskussionen über Migration und Integration in den Mittelpunkt zu stellen. Zudem wurden wertvolle Beispiele für partizipative und kreative Ansätze vorgestellt, die Migrantinnen und geflüchteten Frauen ermöglichen, öffentliche Debatten und politische Diskurse aktiv mitzugestalten.

Als Organisation, die sich für Partizipation, Inklusion und soziale Gerechtigkeit einsetzt, waren die Diskussionen für unsere laufende Arbeit besonders relevant. Die Veranstaltung bot sowohl kritische Einblicke in aktuelle europäische Migrationspolitik als auch praktische Impulse für zukünftige Aktivitäten zur Förderung von gesellschaftlicher Teilhabe und zur Sichtbarmachung marginalisierter Stimmen.

Wir danken New Women Connectors für die Organisation dieser aktuellen und wichtigen Veranstaltung sowie für die Schaffung eines Raums für Dialog, Lernen und gemeinsames Reflektieren.

***ENG***

Event Report: Between Policy and Lived Experience: Migrant and Refugee Women’s Perspectives on the EU Migration Pact

Introduction

On 27 May 2026, moveGLOBAL e.V. participated in the symposium “Between Policy and Lived Experience: Migrant and Refugee Women’s Perspectives on the EU Migration Pact,” organised by our partner organisation New Women Connectors in Utrecht, the Netherlands, within the framework of the W-STAR project.

Held shortly before World Refugee Day and just as the EU Migration Pact enters into force, the event brought together migrant and refugee women, civil society organizations, activists, and researchers etc to discuss the gendered implications of European migration policies and explore strategies for advocacy and collective action.

 

Why the EU Migration Pact Matters

The EU Migration Pact aims to establish a common framework for managing migration and asylum across the European Union. While EU institutions present the Pact as a solution to improve coordination and responsibility-sharing among member states, many civil society organizations have expressed concerns about its impact on the rights of people on the move.

Particular concerns have been raised regarding the experiences of migrant and refugee women. Critics argue that the Pact focuses heavily on border control and security while paying insufficient attention to gender-specific vulnerabilities, protection needs, participation, and inclusion. This raises important questions about how migration policies affect women’s safety, access to rights, and opportunities for meaningful participation in society.

Against a backdrop of increasing anti-migration rhetoric and growing far-right influence across Europe, the symposium provided an important space for reflection and dialogue.

 

✍️Understanding the Gendered Impact of the Pact

The first workshop, facilitated by Sandra Alloush, explored the gender dimensions of the EU Migration Pact through an interactive scenario-based group exercise. Participants were presented with different fictional profiles of migrant and refugee women and invited to discuss how the Pact’s provisions could affect each woman’s situation and access to rights and protection.

Using these scenarios, participants examined key aspects of the policy framework and reflected on how the implementation of the Pact may have different consequences depending on a person’s circumstances. The workshop encouraged participants to critically assess the Pact from an intersectional perspective, considering how factors such as gender, migration status, ethnicity, age, family situation, and other social identities shape people’s experiences of migration and asylum policies.

 

🗣️Reclaiming Narratives and Building Resistance

The second workshop, led by Kourara Saliba (New Women Connectors) and Alejandro Navarrete Cortés (BAK), focused on storytelling, narrative change, and strategies of resistance.

Participants reflected on how migration is often portrayed in public and political discourse and contrasted these narratives with the lived realities of migrant and refugee communities. The workshop introduced practical methods for transforming personal experiences into clear and impactful messages for advocacy and social change. Participants reflected on how their own stories and perspectives can contribute to shaping public discourse on migration.

Building on these discussions, participants worked in groups to create collage posters that communicated their key messages and visions for change. Through this creative exercise, they explored ways to challenge harmful narratives that contribute to exclusion, discrimination, and the stigmatization of migrants and refugees while amplifying the voices and experiences of affected communities.

A key message throughout the session was that migrant and refugee women are not merely subjects of policy debates but active agents of change. By sharing their experiences and amplifying their voices, they can challenge dominant political narratives and contribute to more inclusive and rights-based discussions on migration.

 

🔑Key Takeaways

Several important insights emerged from the symposium:

  • Migration policies are not gender-neutral and can have specific consequences for migrant and refugee women.
  • Meaningful participation of affected communities is essential when designing and implementing migration policies.
  • Storytelling and narrative change are powerful tools for challenging stereotypes and promoting more inclusive public discourse.
  • Collaboration between grassroots organizations, migrant-led initiatives, and advocacy groups remains crucial in advancing rights-based migration policies.

 

👀Reflections for Our Work

The symposium highlighted the importance of centering lived experiences in discussions about migration and integration. The event also highlighted participatory and creative approaches that empower migrant and refugee women to actively shape public conversations and policy debates.

As an organization committed to participation, inclusion, and social justice, we found the discussions particularly relevant for our ongoing work. The event offered both critical insights into current European migration policies and practical inspiration for future activities that promote community engagement and amplify underrepresented voices.

We thank New Women Connectors for organizing this timely and thought-provoking event and for creating a space for dialogue, learning, and collective reflection.

(DE) Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Weder die Europäische Union noch die EACEA können dafür verantwortlich gemacht werden.

(EN) Funded by the European Union. Views and opinions expressed are however those of the author(s) only and do not necessarily reflect those of the European Union or the European Education and Culture Executive Agency (EACEA). Neither the European Union nor EACEA can be held responsible for them.

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