Am 1. Juli 2026 veranstaltete moveGLOBAL e.V. im Rahmen des Projekts „Zielbewusst für die Ausbildung!“ (ZA!) das Fachgespräch „Teilhabe sichern. Übergänge stärken.“ im Berlin Global Village. Rund 50 Teilnehmende aus Politik, Verwaltung, Praxis und Zivilgesellschaft sowie junge Menschen und ihre Bezugspersonen kamen zusammen, um über die Frage zu diskutieren, wie Übergänge von der Schule in den Beruf gerechter gestaltet werden können.
Auftakt & Keynote
Nach der Begrüßung und einer kurzen Vorstellung von moveGLOBAL e.V. sowie des Projekts „Zielbewusst für die Ausbildung!“ führte der Schüler Kevin Schreiber mit seiner Keynote „Sprungbrett statt Hürdenlauf: Wie wir den Übergang in den Beruf gerecht gestalten“ in das Thema ein. Aus der Perspektive junger Menschen thematisierte er zentrale Herausforderungen beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf, darunter unübersichtliche Unterstützungsstrukturen, fehlende Praxisnähe in der Berufsorientierung sowie Diskriminierungserfahrungen. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung niedrigschwelliger Unterstützungsangebote, von Mentoring auf Augenhöhe und einer stärkeren Orientierung an den Potenzialen und Ressourcen junger Menschen.
Podiums- und Publikumsgespräch
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierten Tahire Dilara Gürbüz, (MORUS 14 e.V.), Diana Bazelak, (AYEKOO e.V.), Sven Meyer (SPD, Sprecher für Arbeit & Ausbildung), Janina Jung (Industrie- und Handelskammer Berlin) und Kevin Schreiber über aktuelle Herausforderungen, bestehende strukturelle Barrieren sowie politische, institutionelle und praktische Ansätze zur Förderung von Chancengerechtigkeit beim Übergang von der Schule in den Beruf.
Ein besonderer Schwerpunkt des Fachgesprächs lag auf dem Austausch unterschiedlicher Perspektiven und Erfahrungen. Neben den Beiträgen aus Politik und Praxis brachten auch junge Menschen und ihre Bezugspersonen ihre Sichtweisen und Erfahrungen in die Diskussion ein. Dabei wurde deutlich, dass erfolgreiche Übergänge von der Schule in den Beruf verlässliche Kooperationen zwischen Schulen, Unternehmen, Beratungsstellen, Projekten und Politik erfordern. Die Podiumsgäste hoben insbesondere die Bedeutung kontinuierlicher Beziehungsarbeit, einer praxisnahen Berufsorientierung sowie diskriminierungssensibler Strukturen hervor. Im anschließenden Austausch mit dem Publikum wurden diese Themen aufgegriffen und um weitere Perspektiven ergänzt. Deutlich wurde dabei, dass die sehr unterschiedlichen Lebenslagen junger Menschen passgenaue Unterstützungsangebote erfordern und insbesondere Eltern, Bezugspersonen und Unternehmen stärker in die Gestaltung gelingender Übergänge einbezogen werden müssen. Essentiell ist auch die langfristige und verlässliche Finanzierung von Angeboten der Berufsorientierung
World Café
Im anschließenden World Café vertieften die Teilnehmenden in wechselnden Gesprächsrunden zentrale Fragestellungen des Fachgesprächs. Dabei standen drei Themenbereiche im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Tahire Dilara Gürbüz und Diana Bazelak diskutierten sie die Rolle von Familien, Communities und anderen Bezugspersonen bei Bildungs- und Berufsentscheidungen junger Menschen. Mit Kevin Schreiber standen Diskriminierungserfahrungen und Barrieren beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Janina Jung erarbeiteten die Teilnehmenden Ansätze zur nachhaltigen Stärkung von Teilhabe und Chancengerechtigkeit beim Übergang Schule–Beruf.
Als zentrale Herausforderungen und Ansatzpunkte im Themenfeld der Bezugspersonen wurden unter anderem die große Bedeutung der Vermittlung grundlegender Informationen zum Bildungs- und Berufssystem an Eltern und andere Bezugspersonen sowie die Wichtigkeit einer individuellen und kontinuierlichen Begleitung von Jugendlichen benannt.
Im Themenfeld Diskriminierungserfahrungen und Barrieren wurde festgehalten, dass die oft als unübersichtlich wahrgenommenen Strukturen und Zuständigkeiten im Übergangssystem Schule–Beruf eine erhebliche Herausforderung darstellen. Darüber hinaus wurde die Rolle von Unternehmen diskutiert und die Notwendigkeit betont, diskriminierungssensible Ansätze in Auswahl- und Ausbildungsprozessen stärker zu verankern.
In diesem Zusammenhang wurde auch kritisch hinterfragt, inwieweit die starke Orientierung an Schulnoten und formalen Leistungsnachweisen den Potenzialen und vielfältigen Kompetenzen junger Menschen gerecht wird. Als wichtige Ressourcen wurden unter anderem Mehrsprachigkeit sowie biografische Erfahrungen, beispielsweise im Kontext von Flucht oder des Aufwachsens unter strukturell benachteiligenden Bedingungen, als mögliche Quellen von Resilienz, besonderen Kompetenzen und individuellen Stärken hervorgehoben.
Die Bedeutung niedrigschwelliger und praxisnaher Formate der Berufsorientierung, die bereits im Podiumsgespräch thematisiert worden war, wurde auch im World Café hervorgehoben.
Fazit & Ausblick
Das Fachgespräch hat deutlich gemacht, dass es zur Stärkung von Teilhabe- und Chancengerechtigkeit verlässliche Unterstützungsstrukturen und diskriminierungssensible Ansätze braucht, die in institutionellen Strukturen und Entscheidungsprozessen verankert werden müssen. Bezugspersonen nehmen eine zentrale Rolle bei Bildungs- und Berufsentscheidungen junger Menschen ein und müssen als wichtige Ressource in Unterstützungsprozessen stärker anerkannt und unterstützt werden. Eine gezieltere Orientierung an den Potenzialen und Ressourcen junger Menschen sowie eine individuelle, kontinuierliche und niedrigschwellige Begleitung können dazu beitragen, gerechtere Übergänge zu ermöglichen. Dafür sind eine bessere Abstimmung bestehender Angebote und eine verlässliche Finanzierung von zentraler Bedeutung.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Podiumsgästen, Teilnehmenden und Unterstützer*innen für ihre engagierten Beiträge, ihre Perspektiven und den konstruktiven Austausch.

