Abschlussveranstaltung des W-STAR-Projekts: Meaningful Participation of Migrant and Refugee Women across the EU (23. Juni 2026)

Die Abschlussveranstaltung des W-STAR-Projekts fand am 23. Juni 2026 im Europäischen Parlament in Brüssel statt.

Die Veranstaltung brachte politische Entscheidungsträger*innen, Forschende, migrantische und geflüchtete Organisationen sowie Vertreter*innen der Zivilgesellschaft zusammen, um darüber zu diskutieren, wie migrantische und geflüchtete Frauen in Europa wirkungsvoll am politischen und öffentlichen Leben beteiligt werden können.

Nach der Vorstellung der zweijährigen Reise des W-STAR-Projekts reflektierten Projektpartner*innen und Podiumsteilnehmende den aktuellen politischen Kontext, der durch zunehmende migrationsfeindliche Rhetorik, restriktivere Migrationspolitiken und wachsende Herausforderungen für Organisationen im Bereich Inklusion und Menschenrechte geprägt ist.

Sprecherinnen der Veranstaltung:

 

Zentrale Botschaften und Empfehlungen

1. Bedeutungsvolle Teilhabe geht über Konsultationen hinaus

Eine zentrale Botschaft der Diskussion war, dass migrantische und geflüchtete Frauen nicht nur als Personen einbezogen werden sollten, die Rückmeldungen geben, sondern als gleichberechtigte Partnerinnen an Entscheidungen beteiligt sein müssen, die ihr Leben betreffen. Eine wirkungsvolle Teilhabe erfordert:

  • die Einbeziehung migrantischer Frauen während des gesamten politischen Entscheidungsprozesses – nicht nur im Rahmen von Konsultationen;
  • die Beteiligung migrantischer und geflüchteten-geführter Organisationen an der Festlegung von politischen Agenden, an der Umsetzung sowie an der Bewertung von Maßnahmen;
  • die Stärkung der Repräsentation in politischen und öffentlichen Institutionen;
  • die Anerkennung von Lebenserfahrungen als wertvolle Form von Expertise.

Maria hob das Leitprinzip „Nothing about us without us“ („Nichts über uns ohne uns“) hervor und betonte, dass migrantische und geflüchtete Frauen aktiv an der Gestaltung von politischen Maßnahmen und Initiativen beteiligt sein sollten, die ihre Gemeinschaften betreffen.

2. Die vielfältigen und miteinander verbundenen Herausforderungen migrantischer Frauen berücksichtigen

Das W-STAR-Projekt zeigte auf, dass migrantische und geflüchtete Frauen häufig mit mehreren, miteinander verbundenen Formen von Diskriminierung konfrontiert sind. Dazu gehören unter anderem Geschlechterungleichheit, migrationsbezogene Hürden, Rassismus, sozioökonomische Benachteiligungen, Sprachbarrieren sowie Schwierigkeiten beim Zugang zu Institutionen und Entscheidungsprozessen.

Die Diskussion machte deutlich, dass politische Ansätze diese sich überschneidenden Realitäten nicht immer ausreichend berücksichtigen. Eine wirksame Inklusion erfordert daher politische Maßnahmen, die die unterschiedlichen Erfahrungen, Lebenssituationen und Bedürfnisse von Frauen einbeziehen.

3.Nachhaltige Unterstützung für migrantische und geflüchteten-geführte Organisationen

Die Bedeutung einer Abkehr von kurzfristiger projektbasierter Finanzierung und der Aufbau nachhaltiger Unterstützungsstrukturen für zivilgesellschaftliche Organisationen wurden mehrfach betont. Zu den zentralen Empfehlungen gehörten:

  • langfristige Investitionen;

  • mehrjährige Förderstrukturen;

  • gezielte Unterstützung für migrantische und geflüchteten-geführte Organisationen;

  • Ressourcen, die Organisationen ermöglichen, nachhaltige Strukturen aufzubauen und langfristige Wirkung zu erzielen.

Eine stabile Finanzierung ist entscheidend, damit Organisationen weiterhin Gemeinschaften unterstützen, Fachwissen einbringen und sich aktiv an politischen Diskussionen beteiligen können.

4.Die Fähigkeiten und Beiträge migrantischer Frauen anerkennen

Mehrere Teilnehmende stellten Narrative infrage, die Migrant*innen und Geflüchtete vor allem aus der Perspektive von Herausforderungen und Unterstützungsbedarf betrachten. Stattdessen wurde die Bedeutung hervorgehoben, ihre Fähigkeiten, Qualifikationen und Beiträge zu europäischen Gesellschaften anzuerkennen.

Viele migrantische Frauen verfügen über wertvolle Kenntnisse und berufliche Erfahrungen, beispielsweise als Ärztinnen, Lehrerinnen, Ingenieurinnen oder Community-Leiterinnen. Dennoch bleibt ihr Potenzial häufig ungenutzt, unter anderem aufgrund von Hürden bei der Anerkennung von Qualifikationen, beim Zugang zum Arbeitsmarkt und innerhalb bestehender Integrationssysteme.

Anna betonte die Bedeutung eines veränderten Migrationsdiskurses: weg von einer ausschließlichen Fokussierung auf Herausforderungen und Kosten hin zu einer stärkeren Anerkennung der Talente, Fähigkeiten und gesellschaftlichen Beiträge von Migrant*innen.

5.Politische Teilhabe als Grundlage einer inklusiven Demokratie

Dr. Yavcan stellte Ergebnisse des Migrant Integration Policy Index (MIPEX) vor und zeigte auf, dass politische Teilhabe weiterhin zu den schwächsten Dimensionen der Integration von Migrant*innen in Europa gehört.

Die Diskussion verdeutlichte, dass politische Teilhabe verschiedene Bereiche umfasst:

  • Wahlrechte;

  • gesellschaftliches Engagement;

  • politische Repräsentation;

  • Beteiligung an zivilgesellschaftlichen Organisationen;

  • Mitwirkung am öffentlichen Diskurs und an demokratischen Prozessen.

Es wurde betont, dass politische Teilhabe nicht als Belohnung nach erfolgreicher Integration verstanden werden sollte, sondern als ein zentraler Bestandteil, der Integration ermöglicht und demokratische Gesellschaften stärkt.

6.Die unverzichtbare Rolle der Zivilgesellschaft

Die wichtige Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen bei der Unterstützung migrantischer und geflüchteter Gemeinschaften, bei der Schaffung von Beteiligungsmöglichkeiten und beim Einbringen von Fachwissen in politische Prozesse wurde hervorgehoben.

Gleichzeitig stehen viele Organisationen vor erheblichen Herausforderungen, darunter:

  • unsichere oder begrenzte Finanzierung;

  • zunehmende Arbeitsbelastung;

  • politischer Druck;

  • ein schwierigeres Umfeld für Organisationen, die im Bereich Migration und Inklusion tätig sind.

Die Diskussion unterstrich die Notwendigkeit, die Rolle der Zivilgesellschaft als unverzichtbare Partnerin beim Aufbau inklusiver Gesellschaften zu schützen und zu stärken.

7.Ausblick: Menschenrechte verteidigen und Zusammenarbeit stärken

Anna wies darauf hin, dass Migration zunehmend politisiert wird und dass die Förderung inklusiver Politiken eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen politischen Entscheidungsträger*innen, Forschenden und zivilgesellschaftlichen Organisationen erfordert.

Zu den aktuellen Schwerpunkten gehören:

  • die Verhandlungen über den zukünftigen EU-Haushalt;

  • die Umsetzung des EU-Pakts zu Migration und Asyl;

  • die Überwachung menschenrechtlicher Standards an den europäischen Außengrenzen;

  • die Sicherstellung von Unterstützung für legale Migration und Integration;

  • der Schutz des Handlungsspielraums migrantischer und geflüchteten-geführter Organisationen.

Vom Wissen zum Handeln

Die Veranstaltung endete mit einem gemeinsamen Aufruf, über die Erstellung weiterer Berichte und Empfehlungen hinauszugehen und vorhandenes Wissen und bestehende Lösungen umzusetzen.

Die Teilnehmenden betonten, dass viele notwendige Ansätze bereits bekannt sind. Die zentrale Herausforderung besteht darin, politischen Willen, nachhaltige Partnerschaften und eine echte Machtteilung mit migrantischen und geflüchteten Gemeinschaften sicherzustellen.

Die W-STAR-Abschlussveranstaltung bekräftigte die Bedeutung, migrantische und geflüchtete Frauen in den Mittelpunkt der Diskussionen über Gleichberechtigung, Teilhabe und Demokratie in Europa zu stellen.

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